Julia schlendert auf dem zentralen Platz in Capoliveri der Sonne entgegen.

Toskana: In acht Tagen durch fünf Städte! (Teil 2)

Fünf Städte in acht Tagen. Der Weg ist das Ziel, haben wir bereits in unserem ersten Artikel über die Toskana geschrieben. Umso besser, wenn so viele toll erhaltene, mittelalterliche Städte den Weg zieren. Florenz und Siena konntet ihr bereits im vorangegangenen Artikel kennen lernen. Hier möchten wir euch noch  Capoliveri, Pisa und Lucca vorstellen. Ebenfalls Städte wie aus dem Bilderbuch.

Capoliveri, hoch auf dem Monte Calamita

Eine Fährfahrt, die ist schwer…

Von Siena starteten wir eine lange Fahrt bis zur Fähre nach Piombino. An der Fähre dann der kurze Schock: Wir durften nicht rauf, da wir laut Ticket nur einen Roller gebucht hatten. Wir hatten allerdings zwei Vespas – scheinbar hat bei der Buchung die Kommunikation nicht so gut geklappt. Jetzt mussten wir flitzen. Rüber auf die andere Straßenseite zu einem weiteren Verkaufsschalter. Leider haben uns die Sicherheitsleute erst einmal auf einen Parkplatz geschickt. Julia ist dann runter von der Vespa und rein in den Laden. Als ihr nach kurzer Zeit am Ticketschalter ihr Kreditkarten-Pin wieder einfiel, war die Situation gerettet und wir kamen gerade noch rechtzeitig auf die Fähre. Puh, jetzt ab nach Elba! Tipp: Kauft euch die Tickets am besten möglichst früh online vorab – da spart ihr auch ein paar Euro!

…dennoch angekommen!

Angekommen in Portoferraio düsten wir direkt Richtung Süden in unser Hotel. Etwa 10 Rollerminuten entfernt von Capoliveri, am Fuße des Monte Calamita, checkten wir im Pilade Country Hotel & Residence ein. Nachdem wir unser Apartment bezogen hatten, setzen wir uns kurz auf die Terrasse und genossen den Blick über den Pool und die Landschaft hinauf nach Capoliveri. Tipp: Das Essen im Hotel schmeckt sehr gut, aber auf gar keinen Fall verpassen dürft ihr das Tiramisu, wenn ihr dort seid. Wir haben noch nie so leckeres Tiramisu gegessen – ein Traum wie es auf der Zunge zergeht!

Auf dem 167 Meter hohen Hügel Monte Calamita liegt die Stadt. Wie es sich schon fast für die Toskana gehört, fühlt man sich auch hier ins Mittelalter zurückversetzt: Kleine, enge Gassen. Süße kleine Handwerksläden, Restaurants und Cafés. Traumhafte, malerische Ausblicke auf die umliegende Landschaft. Das ist Capoliveri!

Über die Via Roma kann man wunderbar durch die Stadt laufen und ihre ganzen kleinen, angrenzenden Gassen (chiassi) erkunden. Ein schönes Flair erwartet euch dort zwischen den alten, verblichenen Hausfassaden. Und bei Sonnenuntergang findet ihr viele unbeschreibliche Ausblicke. Capoliveri sollte man auf Elba auf jeden Fall besuchen! (Mehr über Elba gibt es bald in einem extra Blogpost.)

Eben kurz zum Schiefen Turm

Der Schiefe Turm von Pisa, ein Must-see auf Julias Bucketlist. Auf dem Weg von Capoliveri nach Lucca haben wir also einen kurzen Abstecher nach Pisa gemacht. Auf der Suche nach dem Schiefen Turm fuhren wir ein wenig länger durch Pisa. Dabei konnten wir erahnen, dass Pisa nicht nur mit seiner berühmtesten Sehenswürdigkeit auftrumpfen kann. Wir düsten mit unseren Vespas an einigen richtig schönen Ecken in der Stadt vorbei.

Das Highlight für uns war allerdings der Schiefe Turm aus Carrara-Marmor. Direkt vor den Pforten des Piazza dei Miracoli konnten wir unsere roten Flitzer abstellen (Tipp: Der Autoparkplatz liegt auf der Via Pietrasantina). Noch ein kurzer Fußweg über einen kleinen Markt auf dem hauptsächlich Touristen-Nepp verkauft wurde und schon standen wir vor den gut erhaltenen Mauern die den Piazza umgeben. Drei Schritte weiter und wir sahen direkt auf den Schiefen Turm von Pisa. In einer Flucht mit dem Dom Santa Maria Assunta betrachtet, erkennt wie schief dieser Glockenturm eigentlich ist. Satte 4 Grad Neigungswinkel – verrückt, dass er noch steht. Vor allem so lange. Der 55 Meter hohe Campanile wurde 1372 nach ca. 200 Jahren Bauzeit (mit Pausen) fertiggestellt.

Grund für die Schieflage des Turmes ist der lehmige, sandige Boden auf dem steht. Wenn man bedenkt, dass er sich bereits während des Baus der dritten Etage neigte, ist es noch beeindruckender, dass er immer noch steht. Und sogar für Besucher geöffnet ist. Wenn ihr also schwindelfrei seid und genug Zeit habt, geht ruhig die 300 Stufen bis zur 8. Etage und blickt über den Piazza dei Miracoli. Mehr Wissenwertes zum erfahrt ihr hier. Tipp: Meidet die Mittagssonne, es gibt wenig Schatten auf dem Gelände und wenn dann drängen sich dort schon die anderen Besucher. Es ist wirklich super voll an dem Schiefen Turm und natürlich möchte auch jeder das obligatorische Foto schießen. Zum Teil sind es sehr witzige Anblicke, wenn die Leute vor dem Turm posen – wir haben es natürlich auch gemacht!

My name is Lucca…

…I got great old city walls. Ein alter Ohrwurm ein wenig abgewandelt – so war es für uns in Lucca. Unser B&B war etwa 5 Gehminuten von den Stadtmauern, die die Altstadt abgrenzen entfernt. Noch besser war allerdings, dass wir auch deren Fahrräder nutzen konnten. Man kann Lucca (außer den Stadtkern) sehr gut mit dem Fahrrad erkunden. Tipp: Eine Radtour bei Sonnenuntergang über die historische Stadtmauer (Mura Lucca) ist absolut traumhaft!

Uns wurde vorher schon von vielen gesagt, dass Lucca unglaublich schön ist. Die mittelalterliche Bilderbuchstadt schlechthin. Und als wir durch eines der großen Stadttore fuhren, waren wir schnell selbst davon überzeugt. Lucca versprüht soviel Charme und Flair, wie keine der anderen Städte, die wir vorher in der Toskana besuchten. Neben den vielen Restaurants, Bistros und Geschäften in den malerischen Gassen des Stadtkerns, könnt ihr zudem noch einige weitere Sehenswürdigkeiten in dieser Stadt entdecken. Neben der Stadtmauer gehören u.a. folgende Must-sees dazu:

Ein besonderer Garten

Der Ziegelturm Torre Guinigi fällt mit seinen 44 Metern Höhe schon von weitem auf. Erbaut wurde der Turm bereits im 14. Jahrhundert von der Familie Guinigi, die auch sein Namensgeber ist. Doch das wirklich besondere ist, dass auf seiner Terrasse bereits seit vielen, vielen Jahren einige Steineichen thronen. Sie sollen ein Symbol für Wiedergeburt und Macht sein. Dass sie perfekte Schattenspender für die Besucher des Daches sind, ist nur ein schöner Nebeneffekt. Wenn ihr den Dachgarten und den sicherlich wunderschönen Ausblick auf die Altstadt und die umliegenden Landschaften genießen wollt, müsst ihr die 230 Stufen des Turmes bezwingen. Wir haben es zeitlich leider nicht geschafft, aber es lohnt sich bestimmt. Tipp: Haltet von oben Ausschau nach den Piazza dell’Anfiteatro, er liegt ein wenig versteckt zwischen den verwinkelten Gassen.

Auf Ruinen errichtet

Wenn ihr den Piazza dell’Anfiteatro aus der Luft betrachtet, fällt euch sicherlich direkt seine ovale Form auf. Gebaut ist er nämlich auf den Ruinen eines ehemaligen römischen Amphitheaters. Im Laufe der Geschichte diente er bereits als Gefängnis, Schlachthaus und Lager. Heute ist dieser schöne, zentral gelegene Platz ein perfekter Ort für ein Abendessen oder einen Espresso in tollem Ambiente. Genießt dabei die wundervolle Atmosphäre zwischen den unterschiedlich hohen, bunten Häuserfassaden. Tipp: Reserviert in den besser bewerteten Restaurants (schaut bei TripAdvisor oder Yelp rein, um nicht in eine Touristenfalle zu tappen) auf jeden Fall im Voraus einen Tisch!

Kirchen der Stadt

Wie die meisten italienischen Städte, darf auch Lucca einige schöne Kirchen sein Eigen nennen. Drei davon möchten wir nicht unerwähnt lassen:

Kathedrale San Martino

Auf unserer kleinen Radtour über die Stadtmauer sind wir an der Kathedrale San Martino hinunter in den Stadtkern gefahren. Die Kathedrale liegt dicht an der Stadtmauer und ist ein wundervolles Bauwerk. Nach zehn Jahren Bauzeit wurde die Kathedrale im Jahre 1070 eingesegnet. Beeindruckend ist der imposante, freistehende Kirchturm und der mächtige Säulenvorbau der Kathedrale. Die wunderschön und reich verzierte Westseite wurde erst im 13. Jahrhundert angebaut.

Chiesa di San Frediano

Besonders auffällig und sehenswert ist das Mosaik der „Himmelfahrt Christi“ – leider nicht mehr ganz im Original – an der Front der im 12. Jahrhundert erbauten Kirche. Chiesa di San Frediano ist eine der 554 italienischen Kirchen, die den Ehrentitel Basilica minor tragen. Dieser wird vom Papst an bedeutende Kirchengebäude verliehen. Imposant ist auch bei der Chiesa di San Frediano der freistehende Glockenturm. Tipp: In der Straße gegenüber vom Haupteingang der Kirche findet ihr ein paar schöne Bars und Cafés. Von dort habt ihr bei einem Espresso oder einem Bierchen einen tollen Blick auf die Chiesa di San Frediano.

Chiesa di San Michele in Foro

Ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert stammt die Chiesa di San Michele in Foro. Wie ihr Name schon verrät, steht sie auf dem alten römischen Marktplatz – dem Forum.  Dieser Platz bildete im alten Lucca das Zentrum. Genau hier lief alles zusammen. Charakteristisch für diese Kirche ist die hohe Fassade. Ursprünglich sollte das Kirchengebäude hinter der Fassade weitaus größer und mächtiger erbaut werden, doch die Pläne änderten sich. Früher baute man allerdings als erstes die Fassade. Daher ergeben sich an der Chiesa di San Michele in Foro diese ungewöhnlichen Proportionen.

Wo ist’s am Schönsten?

Wenn du uns fragst, wo es am schönsten war, sagen wir: Lucca!

Lucca begann mit einem Ohrwurm und Lucca endete für uns mit einem Ohrwurm. Eine malerische, perfekt erhaltene mittelalterliche Stadt. Fabelhaft zum Flanieren und Genießen. Jede einzelne Stadt an unserer Toskana-Route ist für sich bildschön, aber im Vergleich sticht Lucca heraus. Wir wären gerne länger geblieben und hätten mehr ihres unglaublichen Charmes aufgesogen. Eins steht daher fest: Sollten wir noch einmal in die Toskana fahren, werden wir Lucca einen weiteren Besuch abstatten!

Habt ihr diese Städte auch schon besucht? Wie gefiel es euch? Habt ihr Fragen oder Ergänzungen? Hinterlasst uns einen Kommentar oder schreibt uns über unser Kontaktformular. Wir freuen uns auf euer Feedback!