Der Blick über die Dächer von Florenz.

Toskana: In acht Tagen durch fünf Städte! (Teil 1)

Fünf Städte in acht Tagen. Stressig? Ja! Auf der Vespa allerdings trotzdem total spaßig. Der Weg ist das Ziel, haben wir bereits in unserem ersten Artikel über die Toskana geschrieben. Umso besser, wenn so viele toll erhaltene, mittelalterliche Städte den Weg durch die Toskana zieren. Florenz, Siena, Capoliveri, Pisa und Lucca. Städte wie aus dem Bilderbuch – eben typisch Toskana.

Wir stellen euch unsere Highlights vor, wie wir sie erlebt haben und welche Eindrücke wir während unserer Kurzbesuche sammeln konnten. In diesem ersten Teil geht es um Florenz und Siena.

Florenz, Heimat der Medici

Start und Ziel unseres Roadtrips war Florenz. Die größte und wahrscheinlich geschichtsträchtige Stadt der Toskana. Bereits im 1. Jahrhundert nach Christus von den Römern erbaut, entwickelte sich Florenz unter der Dynastie der Medici (15. – 18. Jahrhundert) zum europäischen Zentrum des Handels- und Finanzwesens. Es tummelten sich jedoch nicht nur Kaufleute in Florenz. Die klügsten und kreativsten Köpfe Italiens prägten die Geschichte dieser Stadt mit. Unter Ihnen waren Leonardo da Vinci, Michelangelo oder auch Galileo Galilei.

Mit so viel Geschichte im Gepäck hat diese Stadt haufenweise Sehenswürdigkeiten zu bieten. An fast jeder Ecke könnt ihr neue historische Gebäude und unzählige tolle Plätze bestaunen. Ein Spaziergang durch Florenz ist dank der wunderschönen Architektur ein Genuss. Dabei gibt es natürlich auch hier ein paar ganz besonders sehenswerte und bekannte Stationen für eure Sightseeing-Tour. Und ganz viel leckeres Eis.

Santa Maria del Fiore

Das Wahrzeichen der Stadt und die sicher berühmteste Kathedrale der Toskana. Mit ihrer imposanten Höhe von 114 Metern überragt die Kuppel der Kathedrale alles in der Stadt. Ebenfalls außergewöhnlich ist die in dreifarbigem Marmor gestaltete Fassade der Kathedrale. Total beeindruckt blickten wir auf diese prachtvolle Fassade, als sie plötzlich vor uns auftauchte. Kaum ein paar Minuten vom Hotel entfernt, hatten wir also schon unseren absoluten Wow-Moment! Die vielen kleinen und großen Verzierungen sind einfach brillant.

Dazu der 85 Meter hohe Glockenturm in dem zwölf Glocken für das Geläut sorgen und das gegenüberliegende Baptisterium mitsamt seiner 10 goldenen Bibelbildern an der Paradiespforte  – in dieser Taufkapelle mussten die Menschen bzw. Babys früher zunächst getauft werden, da sie die Kathedrale ohne Taufe nicht betreten durften. Das wird euch sicherlich auch beeindrucken!

Leider waren wir nicht in der Kathedrale und dementsprechend auch nicht auf der Kuppel, da die Schlange super lang war und wir uns nicht bei weit über 30°C zu der wartenden Masse in die Reihe stellen wollten. Tipp: Bestellt ihr euch die Tickets (z.B. hier) im Vorfeld, müsst ihr nicht an der Kasse anstehen und könnt direkt zum Eingang gehen.

Wundervoll ist, dass die unzähligen roten Tonziegel der Kuppel des Doms perfekt mit den übrigen Dächern Florenz‘ verschmelzen. Ihr könnt euch auf der Piazzale Michelangelo von diesem traumhaft harmonischen Anblick in seinen Bann ziehen lassen. Tipp: Der Platz liegt ein wenig außerhalb auf einem Hügel. Wenn ihr kein Auto oder keinen Roller und keine Lust auf einen Spaziergang habt, könnt ihr einfach vom Bahnhof mit den Bussen Nr. 12 oder 13 zu dem Platz fahren und die Aussicht genießen.

Piazza della Signoria

Einen der berühmtesten Plätze der Toskana und auch Italiens findet ihr im Zentrum von Florenz. Den Piazza della Signoria. Früher politisches und soziales Zentrum der Stadt und Sitz der Signoria, der republikanischen Regierung der Stadt. Heute noch immer ein Anziehungspunkt mit einer Menge an Sehenswürdigkeiten.

Der Palazzo Vecchio ist dabei sicherlich das auffälligste Gebäude des Platzes. Was vor allem an seinem 94 Meter hohen Arnolfo-Turm liegt. Nach seiner Fertigstellung im 14. Jahrhundert war der Palazzo Vecchio Sitz des Stadtparlaments. Hier wurden im Mittelalter die politischen Strippen gezogen. Heute dient er der Stadt als Rathaus. Die Politik ist nicht ausgezogen.

Direkt daneben befindet sich die Loggia dei Lanzi. Sie beherbergt heute einige antike Statuen, darunter z.B. die Medici-Löwen. Ursprünglich wurden in dem Arkadenbau Kundgebungen und Empfänge veranstaltet. Tipp: In den frühen Morgen- oder späten Abendstunden ist es an dem Platz nicht so überlaufen und ihr könnt auch alle anderen Sehenswürdigkeiten in Ruhe betrachten.

Ponte Vecchio

Die älteste Brücke über den Arno wurde 1345 fertig gestellt. Und sie ist eine ganz besondere Brücke. Eigentlich ist sie eine Einkaufsstraße. Dicht an dicht sind auf ihr Juweliere angesiedelt. Lediglich die Mitte der Brücke lässt einen freien Blick auf den Arno zu. Glücklicherweise wurde sie im zweiten Weltkrieg, angeblich auf Hitlers Befehl hin, nicht zerstört und wir können uns auch heute noch an ihrem Anblick erfreuen. Tipp: Bummelt ganz entspannt über die Brücke und genießt den Sonnenuntergang über dem Arno.

Veni, vidi, Venchi

Wir haben während unserer Tour viel Eis gegessen. Das beste Eis haben wir allerdings erst an unserem letzten Tag gegessen. Das Eis von Venchi. Seit 1878 sorgt Venchi für tollen Eisgenuss in Italien. Sehr zu empfehlen ist jedoch auch die Schokolade aus dem Hause Venchi. Ihr findet die Läden von Venchi u.a im Hauptbahnhof und in der Via dei Calzaiuoli 65/R. Tipp: Achtet beim Eis darauf, dass es nicht aufgetürmt ist. Das sieht toll aus, lässt allerdings auf viele Zusatzstoffe schließen. Und ob die Kühlung an der Spitze des Turmes noch gewährleistet ist, ist auch so eine Frage.

Leckeres Eis war nicht unser einziges Genusshighlight in Florenz. An unserem letzten Abend in Florenz aßen wir in der Fattoria Rossi Firenze. Ein kleines, sehr schickes Lokal mit sehr leckeren Tapas und typisch Toskana. Komischerweise waren an dem Abend nicht viele Gäste da, obwohl die Pizzeria direkt nebenan brechend voll war. Wir ließen uns davon nicht stören und gaben der Fattoria eine Chance. Zum Glück! Wir hatten eine tolle Auswahl an Käse, Schinken und Salami mit gutem Brot – alles selbstgemacht und aus eigenem Anbau. Es war sehr, sehr lecker und wir können es  nur empfehlen! Tipp: Reserviert bereits im Vorfeld einen Tisch in dem Restaurant eurer Wahl, da überwiegend doch sehr viel los ist. Bei den meisten ist eine Reservierung ganz einfach online vorzunehmen – Homepage, Trip Advisor, Facebook, es stehen oft diverse Plattformen zur Verfügung. Ein altmodischer Anruf oder ein kurzer Besuch ein paar Stunden vorher klappt aber auch.

Florenz ist eine tolle Stadt. Die gut erhaltenen mittelalterlichen Gebäude sind wunderbar. Wenn ihr Zeit und Lust habt tiefer in die Geschichte des frühen Florenz einzutauchen, bieten euch hierzu sehr viele Museen Gelegenheit dazu. Eine Stadt, die man gut und gerne eine Woche besuchen könnte. Tipp: Dann allerdings nicht im Sommer. Temperaturen von bis zu 38°C sind leider zu viel für einen Städtetrip.

Siena, das Herz der Toskana

Die zweite Stadt auf unserer Route hat ein noch viel mittelalterliches Erscheinungsbild als Florenz. Siena ist das Herz der Toskana, direkt im Zentrum der Region gelegen.

Bei unserer Ankunft waren wir ein wenig verwirrt. Nicht nur weil Google Maps uns aufgrund der vielen Einbahnstraßen in Sienas Altstadt – mit dem Roller darf man sie befahren – des öfteren im Kreis hat fahren lassen. Überdies waren die Straßen voll von singenden und fahnenschwingenden Menschen. Uns blieb nichts anderes übrig als erst einmal unsere Roller abzustellen und unsere Unterkunft zu Fuß aufzusuchen. Geparkt haben direkt am Piazza del Campo.  Weit kamen wir aber nicht, da zunächst unsere Rucksäcke von der Polizei kontrolliert wurden. Was war hier los? Es muss sich um eine große Veranstaltung handeln. Zumal wir auf dem Weg zur Unterkunft immer wieder diesen singenden Gruppen begegneten. Und innerhalb dieser Gruppen hatten alle das gleiche Tuch um. Was war das bloß für eine Veranstaltung?

Palio dell`Assunta auf dem Piazza del Campo

Aufgeklärt wurden wir von unserem Host: An dem Sonntag begannen die Proben zum zweiten Rennen des Palio dell`Assunta. Ein traditionelles Pferderennen in Siena in dem 10 der 17 Stadtteile gegeneinander antreten. Wir hatten vorher gelesen, dass das Rennen am 16. August stattfindet – wenn wir schon wieder weiter gezogen sind. Von den Proben waren wir nun total überrascht.

Auf dem muschelförmigen Piazza del Campo war also alles vorbereitet: Absperrungen waren aufgestellt, vor den Restaurants waren provisorische Tribünen aufgebaut und die Rennstrecke war mit einer Art Lehm präpariert. Als Zuschauer im inneren Kreis bezahlt man keinen Eintritt, für einen Tribünenplatz hingegen schon. Leicht ist es allerdings nicht an einen Platz zu kommen. Man sollte schon früh da sein. Oder man mogelt sich unter eine der singenden Gruppen, die im Vorfeld durch die Stadt ziehen – die Männer vorne weg und die Frauen hinterher.

Beim Palio geht es darum nach drei Runden als Erster im Ziel zu sein. Dabei ist es egal, ob Jockey und Pferd zusammen ins Ziel kommen. Der jeweilige Stadtteil siegt auch, wenn sein Pferd das Ziel alleine erreicht.  Das Rennen ist aufgrund der engen Kurven durchaus umstritten, da es nicht ungefährlich für Reiter und Pferd ist. Ein paar Eindrücke könnt ihr hier auf Youtube sammeln. Tipp: Wenn ihr dem Trubel des Palios entgehen wollt, reist nicht in den jeweiligen Wochen vor dem 02. Juli und dem 16. August an.

Nach dem Rennen haben wir den Piazza del Campo noch kurz besucht. Der harte, lehmige Boden war gesäumt mit Hufspuren, die Tribünen und der Innenbereich waren bereits geleert und die ersten Leute haben wieder auf den Terrassen der Restaurants Platz genommen. Gerade im Dunkel des Abends überstrahlt der 102 Meter hohe Torre del Mangia den Platz. Ein imposanter Turm am Palazzo Pubblico, der nicht nur für den Piazza del Campo sondern für ganz Siena prägend ist. Tipp: Wenn ihr Zeit, Lust und Ausdauer habt, könnt ihr auf den Torre del Mangia hochgehen und den Ausblick über Siena und die umgebenden Landschaften der Toskana genießen.

Duomo Santa Maria

Der bildschöne Duomo Santa Maria ist im Gleichklang mit Sienas Farben in schwarzem und weißem Marmor errichtet. Doch nicht nur die Größe und die Farbe dominieren den Dom. Viel mehr sind es ebenso die ganzen Details an der Fassade. Seien es die Bilder in den Dreiecksgiebeln, Verzierungen wie Säulen und Statuen am Marmor oder der 77 Meter hohe Glockenturm – das Gesamtbild dieses Doms sorgt bei jedem Besucher für Faszination. Er gehört nicht ohne Grund zu den bedeutendsten gotischen Kirchen Italiens.

Leider hatten wir am Abend keine Gelegenheit mehr den Dom auch von innen zu betrachten. Denn, auch im Inneren hat der Duomo Santa Maria eine Menge zu bieten. Tipp: Plant ein wenig mehr Zeit ein als wir und schaut euch den Dom von innen an.

Stadtbummel durch Siena

Viel Zeit blieb uns für den Bummel nicht. Ein Abend, um genau zu sein. Dabei fing der Stadtspaziergang recht stockend an, da wir mitten in die feiernden Massen, die auf dem Weg zum Proberennen des Palios waren, gelangten. Nachdem wir uns kurz umsahen und die Lage checkten, haben wir uns den Anhängern eines Stadtteils angeschlossen und haben uns ein paar Meter mit treiben lassen.

Überall in den Gassen dieser charmanten Stadt wehen die Fahnen des jeweiligen Stadtteils. Sogar die Lampen sind in den entsprechenden Farben angemalt. Zusammen mit den Schlachtenbummlern versprühte der Palio sein ganz besonderes Flair in der Stadt. Siena hat jedoch neben dem Palio ebenfalls unglaublich viel Charme. Mittelalterliche Gassen, hohe ockerfarbene Gebäude, die einem das Gefühl geben durch eine alte Burg zu laufen, sind charakteristisch für Siena. Tipp: Um Siena besser kennen zu lernen, plant zwei Tage Aufenthalt ein.

Lest hier, wie wir Capoliveri, Pisa und Lucca fanden.

Habt ihr diese Städte auch schon besucht? Wie gefiel es euch? Habt ihr Fragen oder Ergänzungen? Hinterlasst uns einen Kommentar oder schreibt uns über unser Kontaktformular. Wir freuen uns auf euer Feedback!