Ein sehr kleiner Tannenbaum im verschneiten Wald von Lappland.

Rovaniemi: Unser Wintertraum in Lappland!

Für uns gab es keine bessere Wahl als die Heimat des Weihnachtsmannes als Ausgangspunkt für unser Winterabenteuer in Lappland. Direkt am nördlichen Polarkreis liegt Rovaniemi, die Hauptstadt Finnisch-Lapplands und zugleich die flächenmäßig größte Stadt Europas. Im Februar 2017 haben wir ihr einen kleinen Besuch abgestattet. Einige weiter Infos zur Planung und Anreise sowie unsere Tipps für euren Besuch in Lappland findet ihr auch noch hier!

Rovaniemi – Die Hauptstadt Lapplands

Rovaniemi wurde während des Lapplandkrieges im Oktober 1944 zu 90% von den Nazis niedergebrannt. Später wurde es mehr oder weniger als Touristenstadt wiederaufgebaut und ist dementsprechend nicht unbedingt schön – viele Einkaufszentren, Restaurants, Bars und Touranbieter sind direkt im Ort ansässig, sehenswerte Gebäude sind eine Seltenheit. Interessant ist, dass der Grundriss der Stadt die Form eines Geweihs hat und das Rovaniemi flächenmäßig die größte Stadt Europas ist. Aber an Lappland reizen nicht die Städte. Es sind die unglaubliche Winterlandschaft die man hier erleben kann und die kalte, klare Luft die einen anlocken.

Darüber hinaus erwarteten uns in Lappland eine Schneemobil-Tour, eine Husky-Safari, ein Besuch im Weihnachtsmanndorf, ein ungeplanter Hike und die vergebliche Jagd nach Nordlichtern. So viel Abenteuer steckt in drei Tagen Finnisch-Lappland!

Aber der Reihe nach:

„Thrill of Speed“

Unser erster Ausflug in Rovaniemi ging zur Husky-Farm und hatte gleich den vielversprechenden Titel „Thrill of Speed“. Sehr gut, perfekt für uns! Sollte man meinen.

Der Start war schon holprig für uns, da wir – nachdem wir mit Winteroveralls, Schuhen und Handschuhen (nehmt auf jeden Fall die Handschuhe, sie sind super warm) ausgerüstet worden sind – in den falschen Van einstiegen und zur nahegelegenen Rentier-Farm fuhren, sodass die Gruppe etwa 15 Minuten auf uns warten musste. Vielleicht war diese Verspätung auch der Grund, dass wir nicht – wie angekündigt – vom aufgeregten Bellen der ungeduldigen (Alaskan) Huskies erwartet wurden. Es war eher still, nur der Geruch, der über den Zwingern lag, zeigte uns, dass wir richtig sind.

Angekommen gab es dann eine kurze Einweisung: Bremse mit dem Fuß treten, bergab ein wenig bremsen, damit man die Huskies nicht über den Haufen fährt, Gewicht verlagern in den Kurven und niemals, wirklich niemals den Schlitten los lassen. Okay, verstanden. Auf zu den Schlitten: Julia kuschelte sich als erstes unter eine Rentierdecke vorne in den Schlitten, und ich – der Musher – stieg hinten auf. Die Hunde sind ausgeruht und die Fahrt könnte wild werden, so ihre Warnung. Wir hatten den ersten Schlitten direkt hinter unserem Guide und waren langsam leicht aufgeregt.

Dann ging es los: Fuß von der Bremse, ein Ruck und los geht die wilde Fahrt. Oder? Naja, ein „Thrill of Speed“ erwartete uns bei weitem nicht. Unsere sechs Hunde waren eher die gemütlichen Typen und neben unserem Schlitten tauchten immer wieder die Nasen der nachfolgenden Huskies auf.

Nach der halben Strecke tauschten wir die Plätze und Julia stand als Musher hinten auf dem Schlitten. Unsere Huskies waren dadurch leider nicht motivierter. Was sie allerdings super gemacht haben: Bei jeder kurzen Pause die Leinen verheddert und ihr großes Geschäft bei „voller Fahrt“. Vielleicht war es zu warm, vielleicht war es einfach nicht ihr bester Tag!

Später, als wir noch den Nachwuchs in ihren Zwingern besuchten, erfuhren wir, dass unsere Leithunde das erste Mal vorne weg liefen. Dummerweise sind sie doch ein wenig zu verspielt, um die anderen zu führen. Ich habe euch eine kleine Skizze gemacht, wie die Hunde am Schlitten aufgeteilt werden. Falls ihr es nicht gut erkennen könnt, ich hab ein wenig geschmiert: Nach vorne kommen die cleveren Leithunde (Leader), nach hinten die starken Hunde (Wheeler), die den Schlitten am stärksten nach vorne treiben müssen. Und in der Mitte sind die übrig gebliebenen Hunde eingespannt, die Swinger.

Auch wenn wir jetzt nicht in einen Geschwindigkeitsrausch gekommen sind, war die Tour eine tolle Erfahrung und hat viel Spaß gemacht. Zumal es unser erster Ausflug in diese wundervolle Schneelandschaft war und wir schon von den Aussichten total geflasht waren.

Hike nach Ounasvaara

Die Aussicht war dann auch ausschlaggebend für Julias Idee am Nachmittag: Den Berg hinauf ins Skigebiet nach Ounasvaara zu spazieren. Uns erwartet dort ein überragender Ausblick, so ihre Vermutung. Ich war nicht restlos überzeugt, aber wollte mir die Aussicht natürlich nicht entgehen lassen.

Aus dem Spaziergang wurde schnell ein anstrengender Hike. Schwitzen bei -9°C? Gar kein Problem! Höher und höher kraxelten wir also auf den 203 Meter hohen Fjell. Um es herum waren die Langläufer in den Loipen unterwegs und sahen irgendwie entspannter aus als wir. Trotzdem liefen wir weiter.

Oben angekommen blieb der WOW-Moment aber leider aus. Wir konnten die Skipiste herunter schauen und das war es auch schon beinah. Ein überragender Ausblick auf Lappland ist anders. Na gut. Der Weg ist das Ziel! Und der Weg bis zur Piste war trotz der Anstrengung schon sehr schön. Die verschneiten Wälder an denen wir vorbeiliefen gaben ein herrliches, idyllisches Bild ab. Auf dem Rückweg konnten wir diese Idylle dann auch viel, viel besser genießen!

Dumm war nur, dass wir erst im Nachhinein die Schlitten im Schrank unseres Apartments entdeckt haben und uns so einiger Rodelspaß entging…

Schneemobil-Tour

Unser absolutes Highlight in Lappland: Eine mehrstündige Motorschlitten-Tour über schnee- und eisbedeckte Flüsse und Seen und durch die verschneiten Wälder!

Als wir bei unserem Anbieter ankamen, haben wir schnell festgestellt, dass wir die einzigen Teilnehmer sind, die sich in ihre Stiefel und Overalls zwängten. Da waren wir schon recht froh. Einen Abend vorher haben wir nämlich noch Berichte gelesen in denen die Teilnehmer schrieben, dass sie nur mit ca. 20 km/h gefahren sind, weil ein paar Teilnehmer dabei waren, die nicht schneller fuhren mochten. Als wir uns dann noch direkt mit unserem Guide – leider haben wir seinen Namen vergessen – gut verstanden haben, freuten wir uns noch mehr auf die Tour.

Nach zwei Einführungsrunden ging die Tour direkt los. Julia düste zuerst über die verschneiten Pisten Mit 60 km/h durften wir durch die Wälder und mit 80 km/h über die Flüssen und Seen fahren. Schon nach einer Viertelstunde machten wir die erste Pause, da unser Guide eine neue Route planen musste, da wir für seinen ursprünglichen Weg zu schnell unterwegs waren. Das freute ihn aber genauso wie uns.

Wir sausten weiter durch die weißen Märchenwälder, über die holprigen Wege. Holprig war es, da wir montags fuhren. Das liegt daran, dass die (öffentlichen) Pisten in Lappland freitags hergerichtet werden, aber am Wochenende die Jugendlichen über die Strecken rasen und so unzählige kleine Hügel entstehen. Das war aber hauptsächlich für den Beifahrer ein Problem, da das Gehüpfe doch sehr an den Armen zerrte. Kurz vor unserer Pause kam es noch zu einem kleinen Malheur. Bei einem Wendemanöver durch den Tiefschnee blieben wir mit dem Schneemobil stecken. Aber für unseren erfahrenen Guide stellte das gar kein Problem dar. Ein bisschen freigeschaufelt, das Schneemobil ein paar Zentimeter zur Seite gewuppt und frei war es wieder.

Unsere Pause machten wir auf einem Hügel an einem der vielen Unterstände, die in den finnischen Wäldern für jedermann zur Verfügung stehen. Hier saugten wir diese unglaubliche Winterlandschaft Lapplands so richtig auf, während unser Guide ein Lagerfeuer anzündete an dem wir Würstchen grillten, Kaffee tranken und uns unterhielten. Er erzählte uns z.B. dass das Feuerholz vom Staat bereit gestellt wird, damit man nicht eigenständig an den Baumbestand geht. Er brachte uns das finnische Jedermannsrecht näher, erzählte uns von der Geschichte Rovaniemis und in unserer Mini-Gruppe wechselten wir auch noch ein paar private Worte. Und nicht zu vergessen, ein wichtiger Tipp, wenn ihr auf Rentier-Safari wollt: Er sagte uns, je heller ein Rentier, desto fauler/langsamer ist es!

Nach der Pause wechselten Julia und ich die Plätze und wir sausten weiter durch die Wildnis. Da es für Julia auf dem Beifahrersitz noch unangenehmer war als für mich, drosselten wir das Tempo ein wenig bis wir wieder an den Fluss kamen. Hier gaben wir nochmal richtig Gas und unser Guide hatte auch sichtlich Spaß daran. Das merkten wir spätestens als er uns mit ca 50 km/h einen kleinen Hügel hoch führte an dessen Spitze wir einen kleinen Sprung mit dem Schneemobil hinlegten. Die Kurven fuhren wir so rasant, dass schon mal eine Kufe den Boden verließ, doch man hatte nie das Gefühl die Kontrolle zu verlieren. Ein unglaublicher Spaß!

Da wir so schnell unterwegs waren und noch etwas Zeit hatten, durfte auch Julia noch einmal über eine private Piste düsen. Diese war nicht annähernd so holprig und brachte noch mehr Fahrspaß mit! Ein unvergessliches Erlebnis – auch Dank unseres sehr netten Guides!

Besuch im Dorf des Weihnachtsmanns

Viele Kinder fragen sich, wo denn eigentlich der Weihnachtsmann wohnt. Wir haben jetzt die Antwort: In Rovaniemi, direkt am nördlichen Polarkreis (Breite 66°33´45.9 nördlich des Äquators).

Aus der Stadt kommt ihr ganz einfach mit dem Bus Nr. 8 zu ihm (7,60 € p.P. hin und zurück). Wir haben den Weihnachtsmann zwar nicht gesehen, da er gerade sehr beschäftigt war, aber wir haben trotzdem viel in seinem Dorf erlebt.

Hauptpostamt des Weihnachtsmannes

Total spannend ist das Hauptpostamt des Weihnachtsmannes. Hier wuseln seine ganzen fleißigen Elfen und bearbeiten eure Weihnachtspost. Groß und klein, alt und jung, alle tummeln sich hier und wollen noch schnell ihre Wünsche und Grüße verschicken. Natürlich mit dem offiziellen Stempel vom Hauptpostamt des Weihnachtsmannes.

Ihr könnt von hier auch Karten verschicken, die zur nächsten Weihnacht bei euch oder euren Liebsten ankommen. Wir haben das doch gleich probiert und unserem Zukunfts-Wir einen Weihnachtsgruß geschickt.

Polarkreis-Überquerung

Den Polarkreis haben wir schon bei unsere Husky-Safari und unserer Schneemobiltour überschritten. Im Weihnachtsmanndorf ist der Polarkreis jedoch mit Säulen und einer Linie auf dem Boden markiert. Hier ist die Überquerung ganz bewusst möglich und kann zelebriert werden: Hüpfend, krabbelnd, auf einem Bein, im Handstand, der Fantasie sind bei der Überquerung des Polarkreises keine Grenzen gesetzt.

Nach der Überquerung könnt ihr euch im Büro des Weihnachtsmannes für 0,50 € einen Stempel für euren Reisepass abholen. Ein ziemlich cooles Andenken!

Snowman World

Ein kleiner Winterspielplatz verbirgt sich hinter der Snowman World. Es gibt drei Rodelbahnen, die ihr in Reifen hinuntersausen könnt – zieht unbedingt Skihosen an, damit ihr keinen nassen Hintern bekommt -, eine kleine Eislaufbahn und ein Schneehotel. In dem Schneehotel befinden sich tolle Schnee- und Eisskulpturen, eine Ice-Bar, ein Restaurant und einige Hotelzimmer, die ihr euch ansehen könnt. Oder ihr bucht euch einfach ein Zimmer und genießt eine Nacht im Iglu-Hotel. Schreibt uns dann bitte, wie es war!

Den Eintritt fanden wir mit 20,00 € pro Person ein wenig happig, doch das Rodeln macht Spaß und das Iglu-Hotel, das Restaurant und die Ice-Bar sind schon beeindruckend. Das Ticket ist auch den ganzen Tag gültig und ihr könnt mehrmals wiederkommen.

Arktikum

Unser Guide von der Motorschlittenfahrt sagte uns, dass uns ein tolles Museum erwartet. Er behielt Recht!

Das Museum besteht aus zwei Teilen. Im Provinzmuseum erfahrt ihr, in der Ausstellung „Wege des Nordens“, viel über die Samen und die Region Lappland. U.a. beschäftigen sich große Teile der Ausstellung mit der Situation im zweiten Weltkrieg. Aber auch die Geschichte Lapplands vor und nach diesem dunklen Kapitel sind sehr schön aufbereitet. Fangt hier am besten im Erdgeschoss mit eurem Rundgang an. Dort findet ihr alle Informationen auch auf Deutsch, was den Einstieg in die Geschichte der Samen sicher ein wenig erleichtert.

Im Arktikzentrum könnt ihr die Ausstellung „Arktis im Wandel“ besuchen. Ihr erfahrt hier viel Interessantes über die Bedingungen in der Arktis. Bewundert Polarlichter, informiert euch über die Probleme die der Klimawandel und die Globalisierung mit sich bringen und wie Menschen, Tiere und Pflanzen sich immer wieder auf neue extreme Situationen einstellen.

Wir fanden unseren Aufenthalt im Arktikum super interessant! Um euch alles anzusehen, solltet ihr 1,5 bis 2 Stunden einplanen.

Nordlichter-Jagd

Einmal im Leben die Nordlichter sehen – diese wunderschönen, fast schon gespenstischen Malereien am Nachthimmel. Leider ist es für uns noch nicht so weit gewesen. Auch wenn Rovaniemi ein sehr guter Ort ist, um dieses Naturschauspiel zu erblicken, ist es uns noch vergönnt geblieben.

Aber wie „jagt“ man die Nordlichter eigentlich? Aurora borealis (der Fachbegriff für Nordlichter) entstehen – vereinfacht – wie folgt am Himmel: Hervorgerufen werden sie durch Sonnenteilchen. Diese energiegeladenen Teilchen werden als Sonnenwinde von der Sonne Richtung Erde abgestoßen und treffen auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre. Dort „verbinden“ sie sich mit Atomen der Erde und es entstehen Polarlichter.

Um diese sehen zu können benötigt ihr allerdings zusätzlich einen klaren, wolkenlosen Himmel. Die Nordlichter wabern nämlich über der Wolkendecke in ca. 100 km Höhe über euren Köpfen.

Die notwendigen Informationen, um eure Chance abzuchecken, könnt ihr ganz einfach besorgen: Es gibt einige Apps oder Websites (z.B. www.aurora-services.eu), die auf die Datenbanken der Wetterdienste zurück greifen und euch gleichzeitig den KP-Index anzeigen. Dieser zeigt die Schwere des aktuell stattfindenden geomagnetischen Sturmes an und ist ein Gradmesser für das Auftreten von Polarlichtern. Die Skala des KP-Indexes reicht von 0 bis 9. Ab einen Index von 5 ist es sogar möglich (aber sehr selten) Polarlichter im Norden Deutschlands zu sehen. Wir nutzten zur Beobachtung der Sonnen die App „Polarlicht-Vorhersage“.

Leider hatten wir kein Glück bei unserer Jagd. Die Sonne war nicht aktiv und der Himmel nicht immer klar genug. Obwohl man eine Rovaniemi eigentlich mindestens einmal in drei Tagen die Chance auf Polarlichter hat. Solltet ihr bessere Voraussetzungen haben, ist der Arctic Garden direkt am Arktikum ein guter Spot um Kamera und Stativ aufzubauen und ein paar unvergessliche Momente mit traumhaften Bildern zu krönen.

Seid ihr auch schon in Lappland gewesen? Was habt ihr dort erlebt? Habt ihr Fragen oder Ergänzungen? Hinterlasst uns einen Kommentar oder schreibt uns über unser Kontaktformular. Wir freuen uns auf euer Feedback!