Eine Gasse in der ein kleiner Oldtimer vor denpastellfarbenen Häusern steht, die Sonne wirft ihre Schatten auf das Kopfsteinpflaster.

Etappe 4: Trinidad

Zurück ins 19. Jahrhundert

Angekommen in Trinidad waren wir begeistert von dem Flair, dass diese Stadt versprüht. Man fühlt sich tatsächlich zurück versetzt ins 19. Jahrhundert. Die Straßen im Zentrum Trinidads sind aus dem für diese Stadt charakteristischem Kopfsteinpflaster gebaut. In den Gassen sitzen die Kubaner an Tischen vor ihren bunten Häusern und spielen Spiele. Oder aber sie unterhalten sich einfach und lachen miteinander bei einer Zigarre* auf der Straße.

Obwohl Trinidad 1988 zur UNESCO-Welterbestätte erklärt wurde und die Stadt dem Tourismus nicht verborgen blieb, konnte sie ganz offensichtlich bis heute ihren Charakter, ihren Charme und ihr Flair aus damaliger Zeit behalten.

Casa Benavente

In Trinidad wurden wir im Casa Benavente sehr nett empfangen. Das Casa liegt ca. 7 Minuten zu Fuß vom Plaza Major entfernt und somit optimal als Ausgangspunkt für unsere Erkundung. Im Innenhof der Casa wurden wir zunächst zu einem Kaffee eingeladen und dann hat unsere Gastgeberin uns alles gezeigt.

Unser Zimmer war sauber, wir hatten ein eigenes kleines Badezimmer (ohne Fenster) und einen Kühlschrank im Zimmer – also alles was wir brauchten, sehr schön. Ein großer Vorteil für uns war, dass wir bei Freunden unserer Gastgeberin für 3 CUC pro Tag unser Auto abstellen konnten. So stand unser kleiner Flitzer nur zwei Straßen entfernt von uns sicher hinter einem Metalltor.

Stadtspaziergang und mehr

Wie auch auf unseren vorangegangenen Etappen (Havanna, Viñales und Cienfuegos) entdeckten wir Trinidad zunächst per Fuß. So konnten wir alles direkt auf uns wirken lassen: das rutschige, unebene Kopfsteinpflaster, die sich ausgelassen unterhaltenden und spielenden Kubaner, die Musik, die aus fast jeder Gasse ins Ohr dringt und die pastellfarbenen Häuser mit ihren schmiedeeisernen Gittern vor den hohen Fenstern, die zwar sicherlich schon bessere Zeiten erlebt hatten, aber durch den teilweise bröckelnden Putz eigentlich nur noch mehr Charme ausstrahlen. Je dichter man ans Zentrum gelangt desto imposanter werden die Adelshäuser und Villen der ehemaligen Zuckerbarone.

Startend am Plaza Mayor entschieden wir uns für den vom Lonely Planet* vorgeschlagenen Stadtspaziergang. Vorbei am Convento de San Francisco de Asís und dem gegenüberliegenden kleinen Park, den die jungen Kubaner zum Fußball spielen nutzten, direkt ins Viertel Barrio Los Tres Cruces. Hier entdeckt man das typische Trinidad. Die Häuser verlieren hier noch mehr Putz und es wirkt ein wenig heruntergekommen, doch hier sieht man das echte Trinidad, fernab der touristischen Pfade. Einwohner mit Ochsenkarren, abgehalfterte Pferde vor den Häusern, spielende Kinder und Cowboys auf der Straße – die Szenerie ist wirklich besonders, zumal sich im Hintergrund die Sierra des Escambray imposant erstreckt.

Ebenso interessant und im ersten Moment verrückt war, dass man sehr viele Einwohner gesehen hat, die mit ihren Vogelkäfigen in der Hand spazieren gegangen sind. Vögel sind sehr beliebt in Trinidad. An jeder Ecke findet man sie in Käfigen, in der Hand spazieren getragen, an der Hauswand hängend oder im Restaurant. Eine Redewendung auf Kuba lautet: „Se pasa sin jaula por las calles de Trinidad“ – „Er spaziert ohne Vogelkäfig durch die Straßen von Trinidad“. Die Kubaner drücken damit aus, dass jemand etwas Seltsames macht. Trinidad ohne Vögel ist für Kubaner undenkbar.

Bei unserem Spaziergang begeisterten wir uns zudem für die Live-Musik überall in Trinidad. Nicht nur auf der breiten Treppe am Casa de la Música konnte man sie hören. Aus eigentlich jedem Restaurant waren karibische Klänge zu vernehmen. Wir ließen uns in die Taberna la Canchánchara locken und verliebten uns zugleich in das gleichnamige Getränk – hier das Rezept zum probieren. Abends besuchten wir die Las Ruinas de Sagarte und wurden wieder überrascht. Es fand ein Karaoke-Abend statt, durch den wir eindrucksvoll feststellten wie musikalisch die Kubaner sind. Nur an der Stimme bzw. dem Gesang hätten wir nicht erkannt, dass es sich nicht um „professionelle“ Sänger handelt.

Disco Ayala

Am Abend war dann Discozeit. Wir wollten unbedingt die Disco Ayala besuchen. So oft kommt man nicht auf einen Mojito und ein paar Salsa-Rhythmen in eine Höhle. Ganz genau, diese Disco befindet sich in einer Höhle und wirkt dadurch schon beinahe unwirklich. Aber von Anfang an.

Wir lasen im Lonely Planet, dass die Disco um 22:00 Uhr öffnet. Da wir nicht die ersten sein wollten, gingen wir gegen 22:15 Uhr los. Quer durch Trinidad am Plaza Major vorbei, hoch zur Kirche Ermita Popa.

Schon der Weg zur Disco war eine Party. Aufgrund der schwachen Beleuchtung schlenderten wir durch das halbdunkel hinauf zu unserem Ziel. Zwischendurch waren wir uns unsicher, ob wir noch auf dem richtigen Weg waren, aber letztendlich mussten wir nur den Grüppchen auf den Straßen folgen. Auf den Straßen feierten bereits einige Kubaner zu lauter Musik. An kleinen Ständen verkauften sie Mojitos und andere Cocktails für 1,00 CUC. Eine klasse Atmosphäre – so stellt man sich die Lebensfreude der Karibik vor.

Am Ziel angekommen, mussten wir feststellen, dass wir zunächst noch warten mussten. Die Zeit vor der Disco verging jedoch recht schnell, da man dem regen Treiben in der Schlange lauschen konnte. Weil auch eine jüngere deutsche Gruppe dabei war, war es zum Teil recht amüsant und wir haben gelernt, was „aktives anstehen“ bedeutet – wir nennen es eher sanftes Drängeln. Der Einlass lief trotzdem reibungslos und sehr geordnet. 10 CUC pro Person bezahlt und schon ging es die Treppen runter in die Höhle. Mit jedem Meter, den man weiter in die Höhle gelangte, wurde das Wummern der Bässe stärker. Noch zweimal abbiegen, eine kleine Treppe und wir waren da: die Tanzfläche der Disco Ayala – eine riesige Höhle!

Dort angekommen, war unsere Überraschung aber groß: eine leere Tanzfläche?! Wir dachten die Kubaner legen sofort mit einem sportlichen Salsa los. Ganz und gar nicht, erstmal hat jeder versucht einen Sitzplatz um die Tanzfläche herum zu ergattern. Danach ging es an eine der drei Theken, um sich ein Getränk zu besorgen. Getanzt wurde erst im dritten Schritt.

Alles war viel weniger heißblütig als erwartet, schon fast züchtig – doch trotzdem lässig und cool. Wir blieben auf zwei Mojitos und machten uns dann auf den Rückweg. Auf den Straßen wurde ebenfalls noch gefeiert, es war jetzt ca. 01:00 Uhr nachts und die Stimmung immer noch ausgelassen. So haben sich z.B. an einer Straßenecke ein paar Männer ein Tanzbattle geliefert.

Ein Abend bzw. eine Nacht in Trinidad? Absolut Empfehlenswert!

Hier erfahrt ihr noch mehr über die Disco Ayala – vor allem über ihre düsteren Legenden!

Zwischen Playa Ancón und La Boca

Nach der Disco kommt der Strand. Einen kurzen Abstecher zur Playa Ancón haben wir bereits gemacht, sind aber nicht lange da geblieben, da das Wetter es wieder nicht gut meinte mit uns und es einfach zu windig war. Es ist sicherlich einer der schönsten Strände im Süden Kubas, aber mit den riesigen Hotels im Hintergrund noch nicht optimal.

Wir fuhren also diesmal nach La Boca. Dies ist ein schönes kleines Dorf etwa 16 km von Trinidad entfernt. Unseren karibischen Traumstrand haben wir dann zwischen La Boca und dem Playa Ancón gefunden. Hier gibt es einige kleine Buchten mit wunderschönem Strand und kristallklarem, türkisfarbenem Wasser. So haben wir uns karibische Strände vorgestellt. Schaut selbst:

Gefahren lauern überall

Leider lauern im karibischen Meer auch kleine Gefahren. Beim Schnorcheln trat ich auf den Meeresboden und spürte kleine, nadelartige Einstiche. Mit einem unguten Gefühl ging ich aus dem Meer, setze mich und sah mir das Unheil an (ja, Männer übertreiben gerne). Ein Seeigel hat mich erwischt. Was tun? Die Stacheln rausziehen? Kann man machen. Ich stellte aber fest, dass sie schnell abbrechen und fast immer ein bisschen stecken bleibt. Also musste ich doch tatsächlich zum Arzt. Glücklicherweise soll das Gesundheitssystem auf Kuba sehr gut sein.

Angekommen in der Praxis stellten wir schnell fest, dass doch alles ein wenig alt aussah. Gut, das muss ja noch nicht schlecht sein. Wir warteten immerhin auf sehr bequemen Stühlen – auch wenn sie ein wenig abgewetzt waren. Nach ca. 20 Minuten Wartezeit ging es dann los und die Ärztin bat mich mitzukommen. Ich erklärte ihr auf Spanisch/Englisch-Kauderwelsch was passiert ist. Sie notierte sich alles und erklärte mir die Behandlung. Das verunsicherte mich dann schon ein wenig, sie machte dabei nämlich recht heftige Schlagbewegungen mit dem Arm und untermauerte dies mit einem „Pam! Pam! Pam!“.

Alles ist „erklärt“, also ab auf die Liege. Als ich dort saß nahm sie eine große Glasflasche, fasste meinen Zeh und sagte mir noch einmal, dass es weh tun wird. Schon fing sie an mit der Flasche auf die Einstichstelle an meinem Zeh zu hämmern – unangenehm. Sie erklärte bzw. ich verstand, dass sich so das Gift auflöst und der Rest vom Körper abgestoßen wird. Nach ca. 7 Minuten war die Behandlung vorbei. Ich bekam noch eine Salbe aus der angeschlossenen Apotheke, zahlte 8 CUC und fertig.

Nach dieser etwas unorthodoxen Behandlung hatte ich tatsächlich keine Probleme mehr. Zwei Wochen später in Deutschland hatte ich dann so ein komisches Gefühl, als hätte ich irgendetwas im Zeh. Da war ein kleiner, schwarzer Fleck und ich drückte ein wenig dran rum. Und siehe da, die restlichen 0,5 cm des Stachels kamen aus dem Zeh. Wie die kubanische Ärztin sagte: „Den Rest macht der Körper von selbst!“

Parque El Cubano

Da es am Strand so „gefährlich“ war, entschieden wir uns den Parque El Cbano zu besuchen. Na Quatsch, wir wären auch ohne Seeigel-Zwischenfall in den Park gefahren. Die Anfahrt ist aufgrund der katastrophalen Zufahrtsstraße ein wenig beschwerlich, der Eintritt mit ca. 9 CUC ist in Ordnung.

Der Weg zum Highlight des Parkes, dem Wasserfall Salto de Javira, ist einfach super. Kein steril angelegter Pfad, sondern sehr viel Natur. Hier muss man tatsächlich über Stock und Stein um sein Ziel zu erreichen. Zwischendurch gibt es angelegte Treppen und Geländer, um den Weg zu erleichtern, dies ist aber eher selten. Uns hat noch nie eine Wanderung durch einen Park so viel Spaß gemacht.

Das Ziel ist auch nicht zu unterschätzen. Ein wirklich traumhafter Wasserfall, der sich über dem Naturpool mit kristallklarem Wasser erhebt. Von den Klippen springen zumeist Kubaner aus ca. 8 -10 m Höhe ins Wasser. Verrückt! In Deutschland undenkbar, hier auf Kuba hatten wir das Gefühl, dies sei sogar erwünscht, da der Kartenkontrolleur es uns auch sofort anpries.

Spaß haben als absolute Pflicht! Schaut euch unbedingt auch das Video an!

Videos

Spaziergang durch Trinidad

Parque El Cubano

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