Ein Bild von dem kleinen Park mit blätterlosen Bäumen am Richard Platz in Neukölln

Berlin: Unsere dreckige, hässliche Hauptstadt!

Wir waren zum ITB-Wochenende wieder in Berlin und waren diesmal froh als wir wieder unterwegs in unser schönes, kleines Oldenburg waren. Eigentlich fanden wir Berlin immer recht cool, wie sein Slogan: Arm aber sexy! Doch dieses Wochenende hat uns vor Augen geführt: Berlin ist dreckig, hässlich und in Teilen durchaus assig!

Warum dieser Sinneswandel? Der schlechte Eindruck hat sich langsam von Besuch zu Besuch entwickelt. Dabei war dieses Wochenende so schockierend für uns, dass wir unsere Erlebnisse nicht für uns behalten wollten.

Neukölln? Nicht noch einmal.

Dafür, dass wir am ITB-Wochenende in Berlin waren, waren wir mit der Unterkunftssuche spät dran. Natürlich bekommen wir dann nicht mehr die schönste Unterkunft zu einem tollen Preis. So landeten wir in einer Airbnb-Unterkunft in Neukölln. Ja, Neukölln. Ein Bezirk der schon nicht besten Ruf hat, so dachten wir. Aber bei TripAdvisor lasen wir folgenden ersten Satz zu Neukölln:

Kein Viertel Berlins ist bei jungen Leuten und Jet-Settern beliebter als das alte Arbeiterviertel Neukölln.

Klingt doch eigentlich ganz gut…

Echt beschissene Begrüßung

Pustekuchen! Schon der Weg zu der Wohnung war nicht einladend. Irgendwie sah alles schäbig und wenig vertrauenerweckend aus. Erster Eindruck also: Es kann nur besser werden. Eine Straße weiter von unserem Apartment fanden wir dann recht schnell einen Parkplatz. Und ab da wurde es wirklich beschissen. Tür auf, Fuß raus, ein Schritt nach vorne, komisches Gefühl: Ich stand tatsächlich mit meinem ersten Schritt in Berlin in Hundekacke. Tolle Begrüßung! So präsentiert sich eigentlich kein Viertel, das bei jungen Leuten und Jet-Settern beliebt ist, oder?

Ankunft in unserer Absteige

Und es wurde nicht besser. Der Fußweg war voll von Hundehaufen, sodass wir anstatt im Slalom auf dem Gehweg, lieber auf der Straße liefen. Zum Glück schafften wir es ohne Ausrutscher zur Wohnungstür. Unsere Freunde waren schon da. Wir klingelten, hörten den Buzzer, öffneten die Tür und … wollten am liebsten wieder umdrehen. Ein dreckiger Flur an dessen Ende unsere Wohnung lag. Vor der Haustür drei kaputte Kinderwagen, die dreckig und teilweise zugemüllt waren. Davor eine rötliche Spur auf dem Boden. Wir vermuteten eine tropfende Biomüll-Tüte oder so etwas in der Art.

Die Wohnung selbst war auch nicht gerade ein Highlight. Nicht unbedingt sauber. Über dem Badezimmerspiegel guckte ein Kabel aus der Wand (immerhin isoliert). Es gab keine vernünftigen Sitzmöglichkeiten für vier Personen. Es war kein Duschvorhang vorhanden, sodass man mehr damit beschäftigt war nicht das Badezimmer zu fluten, als zu duschen. Katastrophal war auch eines der Kastendoppelfenster in unserem Schlafzimmer. Die äußere der beiden Scheiben war gesplittert. Ausgetauscht wurde die Scheibe aber nicht. Das Fenster wurde fachmännisch mit einer Sperrholzplatte zugenagelt. Es war einfach nicht schön! Zudem war es extrem laut und der Mieter über uns hat seinen Radiowecker in Dauerschleife laufen lassen. Ganz ehrlich: Bucht diese Airbnb-Erdgeschosswohnung nicht, wenn es nicht sein muss!

Berlin ist dreckig

Leider bestätigte sich unser Eindruck – Berlin ist dreckig – auch außerhalb unserer Absteige.

Spaziergang durch Neukölln

Bei unserer Suche nach Restaurants liefen wir durch Neukölln. Was soll man sagen? Es war wirklich nicht schön! Die Mülleimer quollen über, der Sperrmüll stand an den Gehwegen, alte Autoreifen waren hier verteilt, Hundehaufen säumten den Weg und an fast jeder Ecke roch es nach Marihuana. Der süßliche Drogengeruch war dabei noch angenehm. An sehr vielen Stellen roch es nämlich extrem nach Urin, so dass wir schon unsere Nasen mit unseren Schals schützten und fast im Sprint an diesen Stellen vorbei sind.

Eindrücke aus dem Auto

Auch am Sonntag als wir noch mit dem Auto am Brandenburger Tor, der Museumsinsel und der East Side Gallery vorbei nach Pankow gefahren sind, hatten wir den gleichen Eindruck: Berlin ist dreckig! Klar es war Winter. Gerade Berlin mit seinen vielen Plattenbauten ist zu dieser Jahreszeit grau, trist und karg. Doch so dreckig? Nur die touristischen Highlights zeigten sich in gutem Licht. Eine Straße weiter war der Schein schon wieder vorbei. Und wir sind wirklich nicht besonders empfindlich oder pingelig.

Unfreundliche, asoziale Begegnungen

Wir fuhren also nur noch nach Pankow, um eine Einladung von Escape Berlin wahrzunehmen und ihren neuen Horrorraum zu testen. Im Vorfeld konnten wir ja nicht ahnen, dass wir Berlin schon so zum Gruseln fanden. Es wurde aber noch besser. Jetzt setzten zwei Berliner innerhalb von 30 Minuten dem ganzen die Krone auf.

Drecksyuppie-Gate

Nachdem wir erfolgreich escaped sind, standen wir noch kurz neben dem Auto, dass an der Straße parkte. Unsere Freunde wollten direkt in die Bahn einsteigen und zum Hauptbahnhof weiter fahren. Während sie ihre Sachen sortierten, unterhielten wir uns über den Escape Room. Dabei lachte ich. Scheinbar nicht gern gesehen in Pankow. Hinter mir lief ein Pärchen mit zwei Hunden vorbei. Sollte ich sie in Stereotypen beschreiben, würde ich sie als Punker/Linke bezeichnen.

Er hatte an diesem Nachmittag scheinbar nichts besseres zu tun als mich schlecht nachzumachen und als „Drecksyuppie“ zu beleidigen. Was ist da los? Ich habe mich nur kurz umgedreht, mein Pokerface aufgesetzt und die Beiden dann dezent wegignoriert. Drecksyuppie? Jede andere Beleidigung wäre bei einem Typen, der an einem Polo in Pankow steht, treffender. Wir konnten nur mit dem Kopf schütteln.

Mehr negative Erinnerungen konnten wir nach alldem nicht mehr sammeln. Oder doch?

Warnblinker-Gate

Keine 15 Minuten später hatten wir den nächsten äußerst unhöflichen bis ebenfalls asozialen Kontakt mit einem Berliner. Diesmal an der Ampel. Wir standen auf dem Rechtsabbieger. Vor uns ein alter, weißer Lieferwagen, der rechts blinkte. Nach etwa zwei Minuten sprang der Fahrer aus dem Auto und raunzte uns an, warum wir nicht vorbeifahren würden, schließlich wäre das ein Warnblinker. Natürlich war seine Ansage gespickt mit eher unfreundlichen Adjektiven. Ganz ruhig, wies ich ihn dann darauf hin, dass er vielleicht mal nachsehen sollte, ob der Warnblinker tatsächlich an sei, da nur der rechte Blinker aktiv war. Wütend donnerte er auf den scheinbar kaputten linken Blinker, bevor ihm dann doch eine Entschuldigung über die Lippen glitt. Immerhin.

Die wenigen schönen Seiten

Glücklicherweise haben wir auch zwei positive Seiten in Neukölln gefunden. Dabei war das gar nicht so leicht.

Den Italiener Zio Felix (hier kommt ihr zur Facebook-Seite). Ein sehr kleiner Pizzaladen. Das Zio Felix ist einladend und schick. Die Pizza schmeckt hier sehr, sehr lecker und wir können sie absolut empfehlen. Der Empfang und der Service waren total freundlich. Tipp: Da die die Pizzeria so klein ist, ruft am besten vorher kurz an und reserviert euch einen der vier oder fünf Vierer-Tische.

Zum Frühstück können wir das Zuckerbaby empfehlen. Ein mit alten Möbeln sehr schick eingerichteter kleiner Laden, der viel Charme hat. Die Bedienungen waren nett und freundlich. Obwohl es mit unseren vier Frühstücksplättchen recht eng am Tisch wurde, fanden wir es sehr angenehm beim Zuckerbaby. Das Frühstück war solide. Brötchen, Brot, Käse, Wurst, ein bisschen Obst. Eigentlich alles dabei und auch in ausreichender Menge. Tipp: Bestellt euch ein Ofenei – super lecker! Im Sommer kann man draußen am Richard Platz sitzen, der soll zu der Jahreszeit auch ganz hübsch sein. Im Winter ist er es nicht (siehe Titelbild).

Was bleibt hängen?

Berlin ist dreckig und hässlich! Das bleibt für uns hängen. Leider! Berlin ist im Winter grau und trist, das wollen wir gar nicht schlecht bewerten. Das ändert sich ein wenig sobald der Frühling kommt. Aber die restlichen Eindrücke waren an diesem Wochenende wirklich erschreckend für uns. Daher gibt es auch nahezu keine Bilder. Das wollten wir nicht festhalten.

Für uns wurde Berlin von Besuch zu Besuch unattraktiver. Und wir denken nicht, dass es nur daran liegt, dass wir in einer falschen Ecke gelandet sind. Unsere Hauptstadt hat ihre „Sexiness“ verloren. Trotzdem werden wir ihr  nicht den Rücken kehren. Wir werden sicher wieder kommen und Berlin eine neue Chance geben!

Berlin ist dreckig – oder habt ihr einen anderen Eindruck? Hinterlasst uns einen Kommentar oder schreibt uns über unser Kontaktformular und teilt eure Erfahrungen mit uns. Wir freuen uns auf euer Feedback!